„Bücher öffnen die Welt“ (PNP vom 27.02.2019) von Theresia Wildfeuer

Flavia Cianciarulo aus Pocking und Kaja Fischer aus Vilshofen gewinnen Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs

In die Welt von Wildhexen, Gespenstern und Detektiven, von Michel aus Lönneberga und den drei Fragezeichen haben 21 junge Bücherfreunde bei den Kreisenscheiden Passau-Süd und -Nord des 60. Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ihre Zuhörer eintauchen lassen. Die Besten des Lesewettbewerbs der sechsten Klassen von Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien im Landkreis stellten im Sitzungssaal des Landratsamts Salzweg ihre Lieblingslektüre vor und ihre Lesekompetenz unter Beweis. Das Staatliche Schulamt hatte zu den beiden Vorlesenachmittagen eingeladen.

Flavia Cianciarulo vom Wilhelm-Diess-Gymnasium Pocking und Kaja Fischer vom Gymnasium Vilshofen wetteifern beim Bezirksentscheid in Waldkirchen weiter um Punkte.

„Bücher öffnen die Welt. Lesen ist Fernsehen im Kopf. Wer liest, steigt in neue Welten ein“, sagte Schulamtsdirektor Werner Grabl vor Schülern, Eltern, Lehrern und Jurymitgliedern. Lesen sei eine der Kulturtechniken, die im Rahmen der Digitalisierung besonders zu fördern ist. Lesekompetenz sei eine Grundkompetenz für Digitalisierung. Das Schulamt Passau, das für rund 12 000 Schüler und 1000 Lehrer zuständig ist, wolle gemäß einem auf fünf Jahre angelegten Projekt des Kultusministeriums die Lesekompetenz fördern. Lesepaten unterstützen schwächere Schüler, um den Teufelskreis „Kinder lesen wenig, weil sie schlecht lesen und umgekehrt“ zu durchbrechen. „Lesen ist ein großes Wunder“, zitierte er Marie von Ebner-Eschenbach. Es ermögliche, „kleine schwarze Zeichen“ in „klingende Worte“ zu verwandeln, die erzählten und belehrten.

Die Jury, der Dr. Doris Cihlars vom Lehrstuhl für Schulpädagogik der Uni Passau, Ingrid Schreiner vom Buchhaus Pustet, Gertraud Schwarz, ehemalige Fachbereichsleiterin am Landratsamt und Dr. Wilfried Hartleb, Ex-Landkreis-Kulturreferent angehörten, hatte eine schwierige Wahl zu treffen, um die Kreissieger zu ermitteln. Der Vorlesewettbewerb, der unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht, findet zum 60. Mal statt.

Kurzweilig trug Flavia Cianciarulo einen Ausschnitt aus „Joki und die Wölfe“ von Grit Poppe vor. Niklas Lohschmidt von der Realschule Neuhaus am Inn präsentierte nicht nur fehlerfrei den vollständigen Titel von Michael Endes „Satanarchäolügenialkohöllischem Wunschpunsch“, sondern auch die „Umkehrwirkung des Punsches“. Aus der „Pferdeflüsterer Academy“ plauderte Evelin Abenow von der Grund- und Mittelschule Bad Griesbach.
Zunächst präsentierten die Schüler, was ihnen am Wahltext gefällt und worum es geht, ehe sie drei Minuten aus ihrem Lieblingsbuch vorlasen. Dazu zählten Bestseller, wie das „Zwetschgen-Datschi-Komplott von Rita Falk und Klassiker, wie „Michel aus Lönneberga“ von Astrid Lindgren und „Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler. Den zweiten Teil der ersten Lesung prägte „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Die Anwärter trugen aus dem Fremdtext ebenfalls Passagen von drei Minuten vor. Einblick in die witzigen Landgeschichten von Harald Grill und ihr Können gaben die Schüler aus Passau-Nord mit dem unbekannten Text „Gute Luft – auch wenn’s stinkt“.

Die Jury legte auf verständliche Aussprache, sinnvolle Betonung, angemessenes Tempo und flüssigen Vortrag Wert. Neben der Lesetechnik bewertete sie auch die Interpretation des Textes. Sie achtete darauf, ob die Vorleser die Stimmung erfassen und an die Zuhörer weitergeben. Ein weiteres Kriterium war, ob das Publikum die ausgewählte Stelle versteht.

Lob für die engagierten Vorleser gab es auch von stellvertretendem Landrat Raimund Kneidinger. Er wusste es zu schätzen, dass die Schüler einen Text von Kästner meisterten, der immer wieder von seinen Gedankengängen abschweife. Lesen sei spannender als einen Film anzuschauen, da die Fantasie angeregt wird. Er riet, erst die Bücher zu lesen, ehe man sich Verfilmungen ansieht.

Kneidinger und Grabl überreichten bei der Siegerehrung des Kreisentscheids Passau-Süd Urkunden und das Buch „Das Museum der sprechenden Tiere“ von Helen Cooper an alle Vorleser. Zu den Besten zählten mit Siegerin Flavia Cianciarulo, Nikolas Lohschmidt, der Zweitbester wurde, und Evelin Abenow von der Grund- und Mittelschule Bad Griesbach, die auf Platz drei lag.

Vize-Landrat Jeggle würdigte die Leser aus Passau-Nord. Er kritisierte, dass weltweit eine Milliarde und in Deutschland vier Millionen Menschen nicht lesen können. „Lesende Menschen sind andere Menschen“, sagte Jeggle. Sie tauchten in andere Sichtweisen ein, bildeten sich eine Meinung. Jeggle und Grabl gratulierten Siegerin Kaja Fischer vom Gymnasium Vilshofen, Annika Pockes von der Realschule Tittling, die auf Platz zwei kam, und dem Drittplatzierten Tim Leithenmüller vom Gymnasium Untergriesbach.

Die Schwestern Marie und Hannah Winter von der Kreismusikschule umrahmten den Vorlesenachmittag Passau-Süd mit Harfe und Blockflöte. Das Blockflötentrio Theresa Wallner, Laura Schürzinger und Lucia Sterr spielte beim Entscheid Passau-Nord.

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aktualisiert: 03.04.2019