Zukunft ist in Pocking längst Gegenwart (PNP vom 23.02.2019) von Reinhard Wilhelm

Stichwort Digitalpakt: Wilhelm-Diess-Gymnasium steht in den Startlöchern und möchte jetzt ans versprochene Geld

Aufbruch ins 21. Jahrhundert – Zauberwort Digitalpakt: Bund und Länder sind sich darin einig, unsere Schulen endlich richtig fit zu machen fürs Internet-Zeitalter. Über fünf Milliarden Euro schießt der Bund hierfür für ganz Deutschland nach. Von diesem Kuchen will Oberstudiendirektor Martin Thalhammer vom Gymnasium Pocking natürlich auch ein Stück abhaben: „Etwa 300 000 Euro – dann sind wir für die nächsten fünf bis sechs Jahre gut aufgestellt“, sagt er.
Das klingt auf den ersten Blick recht bescheiden, zeigt aber auch auf, dass seine Schule diesbezüglich schon ordentlich in Vorleistung gegangen ist. Das Wilhelm-Diess-Gymnasium (WDG) ist weit davon entfernt, eine digitale Diaspora zu sein. Das heißt aber nicht, dass der Schule diesbezüglich so ein „warmer Regen“ nicht noch richtig gut tun würde.

Ja, das Klassenzimmer der Zukunft ist in Pocking längst Gegenwart. Der Umgang mit Tablets, Laptops, PCs, Smartphones und Apps ist hier für Lehrer und Schüler selbstverständlich, also kein Neuland. „Unser Ziel ist es, die Schüler medial zu bilden, ihnen die Grundausrüstung für eine digitalisierte Welt mit auf den Weg zu geben“, unterstreicht Studiendirektor Edgar Brückl, der das am Gymnasium eigens entwickelte Medienkonzept mit hierfür bestens geschulten Kollegen umsetzt und weiter vorantreibt. „Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“(Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen ...) wirbt Brückl mit einem lateinischen Hexameter aus dem 16. Jahrhundert fürs zeitgemäße Lernen und Unterrichten in einer schönen, neuen Welt, die ohne das Internet auf immer größeren Highspeed-Daten-Autobahnen gar nicht mehr funktionieren würde.

Dafür braucht es den drahtlosen Internetzugang möglichst in allen Klassenzimmern, das Tablet für jeden Schüler und vor allem die große interaktive Tafel. „Ein 86-Zoll-Bildschirm ist optimal“, haben die Pockinger Gymnasiallehrer für sich im „Selbstversuch“ längst festgestellt. Sie arbeiten also schon mit so einem Wunderwerk der digitalen Technik (Android). Aber halt nur ein Unterrichtsraum am WDG, der Informatikraum III, ist so ausgestattet, wie sich die Lehrkräfte das vorstellen. Also: Alles umrüsten, am besten noch in diesem Jahr – das ist der Wunsch.

„Her mit dem Geld, wir brauchen es jetzt dringend und werden es schon auch richtig verwenden!“ So flapsig reden die smarten Pockinger Gymnasiallehrer freilich nicht daher, aber so denken die meisten. Sie wollen endlich richtig loslegen, sind gerüstet, wissen wohl mit den neuen Medien umzugehen und wollen dieses Wissen auch gerne vermitteln. Das ist ihr Beruf, dafür arbeiten sie, bilden sie sich permanent fort und dafür brauchen sie halt auch zeitgemäße Lehrmittel, meint Oberstudienrat Christian Unertl, der dazu auch an anderen Schulen Vorträge hält bzw. Kollegen im Umgang mit den neuen Medien vertraut macht.

Schiefertafel, Kreide, ein Overhead-Projektor bzw. dessen schon wieder „überholter“ Nachfolger, der Beamer, oder die gute alte analoge Europakarte am Ständer reichen heutzutage nicht mehr aus, um in den Klassenzimmern zeitgemäß Wissen zu vermitteln. „Digital, soweit es Sinn macht und das Lernen erleichtert, aber auch klassisch analog“, diesen Spagat will Edgar Brückl perfektionieren. Der moderne Lehrer und Schüler ist sicher vernetzt – und das nicht nur im Unterricht. Systembetreuer Joachim Rösler zeigt das spontan anhand zweier Schüler, die in Teamarbeit mittags gerade am schuleigenen PC ihre Geographie-Hausaufgaben machen. Ist der Bub fertig, speichert er seine Arbeit in einer bestimmten „Cloud“ ab und sein Lehrer hat, sofern er denn mag, sofort Zugriff darauf – via Smartphone, oder später daheim vom PC aus.

„Big brother is watching you“ kommt einem dabei George Orwells Roman „1984“ in den Sinn. Nein, so schlimm ist es nicht und wird es auch nicht. Diese so gesammelten Werke (Daten) der Schüler ersetzen halt in diesem Fall das Hausaufgabenheft. Ethik und Datenschutz spielen auch und gerade beim Umgang mit dem Medium Internet an den Gymnasien eine gewichtige Rolle und sind selbstredend Lernziele der Schüler von der 5. bis zur 8. Klasse. Diese Jahrgangsstufen werden am WDG medial präpariert, aufs Leben vorbereitet.

So haben die Kids auch freien Zugang zu PCs, Druckern und Scannern, ja sie können im weltweiten Netz (www) „surfen“, wie es neudeutsch so schön heißt. Die Schulleitung setzt hier ganz auf die Einsicht der Jugendlichen, verantwortungsvoll mit diesen Medien bzw. Geräten umzugehen, und auch das Nutzen privater Smartphones verteufeln sie nicht. Keine Verbote – den vernünftigen Gebrauch damit zu vermitteln sei die bessere Methode. Diese Philosophie wiederum ist längst ein fester Bestandteil des ganz speziellen Digitalpakts des Wilhelm-Diess-Gymnasiums.

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aktualisiert: 03.04.2019