Wilhelm-Diess-Gymnasium bekennt Farbe (PNP vom 15.09.2018) von Ina Ortlepp

Anerkennung als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" –
Eine Selbstverpflichtung – Festakt am gestrigen Freitag in der Aula

Es könnte – angesichts der Geschehnisse in Chemnitz und Köthen – aktueller kaum sein: ein öffentliches Bekenntnis zum aktiven Einsatz gegen Rassismus und Gewalt. Diesen Schritt haben am gestrigen Freitag die Schüler des Wilhelm-Diess-Gymnasiums mit Unterstützung von Schulleiter Martin Thalhammer, SOR-SMC-Regionalkoordinator Martin Birkner und Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Oberreuter von der Universität Passau gemeinsam gewagt. Damit gehört das Pockinger Gymnasium zu den über 50 Schulen in Niederbayern, die sich an der Aktion "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" beteiligen.

"Keine Chance für Mobbing und Diskriminierung"

Eröffnet wird die Titelverleihung von Seiten der Schülermitverantwortung (SMV) durch Louis Krätzschmar. "Wir haben es geschafft! 83 Prozent der Schüler haben sich an der Unterschriftenaktion beteiligt. Im Vorjahr hat es nicht geklappt – jetzt schon", freut sich der Schüler und fügt hinzu: "Wir brauchen das wirklich – wir dürfen Diskriminierung und Mobbing keine Chance geben; wir wollen uns gegen jegliche Form von Gewalt einsetzen!"
Direktor Thalhammer würdigt in seinem anschließenden Grußwort die hohe Auszeichnung. Auch dankt er ganz besonders den Schülersprechern Louis Krätzschmar und Sabine Pfeiffer. Diese hätten den Weg geebnet, um diese Auszeichnung zu erhalten. Seinen Respekt drückt er auch gegenüber der SMV aus, die Projekte zur Verhinderung von Rassismus in die Tat umsetzt und zu einem respektvollen Umgang der Schüler untereinander wie auch nach außen hin anregt. "Mein Wunsch ist es, dass diese Haltung täglich im Innersten der Schule vorgelebt wird", so Thalhammer.

In der anschließenden Festrede zollt auch Oberreuter, der Pate der Aktion, allen Beteiligten seinen Respekt. Er betont aber auch die Verpflichtung, die mit dem Projekt einhergeht. Eine Verpflichtung zum Einstehen gegen Rassismus, einem Problem, das über Niederbayern hinausgeht, das das ganze Land, ja, die ganze Welt betrifft. Er appelliert an eine weltoffene Haltung als Grundorientierung für das Gemeinwesen. "Was würden Sie davon halten, wenn Jérôme Boateng in ein Haus in der Nachbarschaft zieht? Er wäre willkommen als prominenter Andersfarbiger, als Fußballidol und Identifikationsfigur. Doch es gibt Untersuchungen dazu, ob sich die Einheimischen hier wohlfühlen, wenn Farbige oder Angehörige einer anderen Kultur zuziehen: Da gibt es teils rassistische Vorurteile gegenüber dem, was eigentlich normal ist." Egal, wie intensiv solche Vorbehalte auftreten, man müsse ihnen entgegenwirken, wenn sie sich gegen Menschen richten.

Dass es solche Initiativen gibt, zeige die Notwendigkeit von Engagement. "Courage, das meint den Mut und die Notwendigkeit des Handelns für Andere. Courage im stillen Kämmerlein ist feige. Man muss einstehen für das, was man für wichtig hält", ermutigt Oberreuter die Schüler. "Jede Gemeinschaft", so der Professor, "ist pluralistisch. Und diese Verschiedenheiten gibt es, weil wir die Individuen und ihre Meinungs- und Entfaltungsfreiheit respektieren. Unabhängig von der politischen Position, ist es unsere Verpflichtung, die Menschen nicht aus den Augen zu verlieren."
Angriffe auf Menschen anderer Herkunft wie in Chemnitz seien eine Untergrabung der Menschenwürde. Und diese sei nicht nur der erste Artikel unseres Grundgesetzes, sondern auch Teil der christlich-jüdischen Tradition und Wertorientierung. In Deutschland müsse dafür besondere Sensibilität herrschen: "Die historischen Lasten Deutschlands gehören zu unsrer Geschichte. Die junge Generation muss sich damit auseinandersetzen und Charakter beweisen, damit rassistische Erscheinungen nicht zunehmen. Bei der Verletzung der Würde auch nur eines Einzelnen braucht es den Mut, diesem Unrecht jederzeit entgegenzutreten!"

Die Augen nicht vor Unrecht verschließen

Auch Jugendsekretär Birkner von der DGB-Jugend Niederbayern, dem Träger des Projekts, weist auf aktuelle Ausgrenzungen von Minderheiten, insbesondere muslimischen Glaubens, hin und warnt davor, die Augen vor Unrecht zu verschließen, wenn es im Kollektiv begangen wird. "Sei nicht einer von vielen, sei immer du selbst!", lautet seine Devise. Anschließend wird der Schulleitung – stellvertretend für die ganze Schule – feierlich die offizielle Urkunde zur "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" verliehen.

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aktualisiert: 03.04.2019