Hände weg vom Handy – ganz einfach, oder? (PNP vom 24.07.2018) von Karin Seidl

"Augen auf die Straße" - Aktionstag am Pockinger Gymnasium - Auftaktveranstaltung für den Regierungsbezirk Niederbayern

Geflucht wird viel am Montag am Wilhelm-Diess-Gymnasium: Mist! Weil man mit dem Kettcar krachend eine Pylone aus dem Weg geräumt hat – eine Hand am Steuer, die andere am Handy. Mist! Weil einem beim Fahrsimulator plötzlich ein Fußgänger vors Auto läuft, den man zu spät sieht, weil man gerade eine Whatsapp-Nachricht tippt. Mist! Weil man mit Rauschbrille einfach nicht Fußball spielen kann. Da hilft auch kein gut gemeinter Tipp, den Ball wie Cristiano Ronaldo nah am Fuß zu führen. Wenn man nur verschwommen sieht, wird Kicken zum Stolpern, Autofahren zu Kamikaze.

Aber wie erreicht man die jungen Heranwachsenden, für die das Nutzen des Smartphones zum festen Tagesablauf gehört? WDG-Direktor Martin Thalhammer schwört auf die Praxis-Pädagogik, "da kann man noch so viel reden, nur wenn ihr selbst die Erfahrungen macht, bewirkt das was im Denken". Daher hat er sich den Tourbus "Augen auf die Straße" an seine Schule gewünscht. Ein Wunsch, dem ihm das Kultusministerium gerne erfüllt hat und den Standort Pocking gleich zur Auftaktveranstaltung für den gesamten Regierungsbezirk Niederbayern auserkoren hat. "Drei Viertel aller Autofahrer geben zu, dass sie regelmäßig am Steuer das Handy nutzen", weiß Carolina Trautner, Staatssekretärin am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. "Und Experten sagen, dass das Nutzen von Smartphones inzwischen das Unfallrisiko Nummer eins ist." Herbert Wenzl, Polizeipräsident von Niederbayern, unterfüttert die Studien mit Zahlen: "In Niederbayern sind 2017 3300 Verkehrsteilnehmer wegen verbotsmäßiger Nutzung des Handys belangt worden – mit 100 Euro Bußgeld plus einem Punkt in Flensburg." Die Dunkelziffer, so werde angenommen, dürfte weitaus höher sein. Dem will man gerne glauben, da reicht der Blick an der Ampel ins nebenstehende Auto, in dem der Fahrer aufs Handy starrt, da reicht ein Blick in die Lastwagen auf den Autobahnen, da reicht eine Sekunde der Selbstreflexion, wann man zuletzt selbst einer von denen war, die "nur schnell mal" eine kurze Antwort getippt haben. 36 Sekunden, so besagt eine andere Studie, sei man durch das Schreiben einer Whatsapp-Nachricht abgelenkt. "Es kann nicht sein, dass Verkehrsteilnehmer 36 Sekunden lang blind im Verkehrsraum herumtaumeln", sagt Hubert Schröder vom Bayerischen Ministerium des Inneren. In diesen 36 Sekunden kann im Straßenverkehr Schreckliches passieren.

"Wir müssen in die Köpfe bekommen, dass man im Straßenverkehr beide Hände am Steuer haben muss. Und die Teilnahme hundert Prozent Aufmerksamkeit erfordert", sagt Staatssekretärin Trautner. Sie selbst nutze nicht einmal die Freisprechanlage für längere Gespräche – "eine kurze Botschaft, mehr gibt es da nicht", dann heiße es wieder: "Augen auf die Straße".

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aktualisiert: 03.04.2019