Da gibt’s was auf die Ohren (PNP vom 27.06.2018) von Karin Seidl

"Mobil mit Köpfchen" kommt bei Schülern an
Bla. Bla. Bla. "Unsere Umwelt geht uns alle an", heißt es auf dem ADAC-Flyer "Mobil mit Köpfchen". Wie oft hat man diese mahnenden Worte schon gehört? So oft, dass sie sich abgenutzt haben? Auf taube Ohren stoßen? Am gestrigen Dienstag könnte man glatt den Glauben an die so oft gescholtene Jugend wiedergewinnen. Denn da stehen am Ende einer besonderen Umwelt-, Verkehr- und Sicherheitserziehung am Wilhelm-Diess-Gymnasium die Zehntklässler ziemlich beeindruckt da und geben sich geläutert. Fast möchte man hoffen: Kavalierstarts an der Ampel wird es von ihrer Seite nicht geben.

Der didaktische Kniff scheint aufzugehen. "Solche Themen erreichen die Jugendlichen viel eher, wenn man sich externe Fachleute holt", sagt Direktor Martin Thalhammer. Der Spezialist in diesem Fall heißt Arno Baller vom ADAC, der hemdsärmelige Typ mit einem Ölfleck auf der Jeans, ist um fünf Uhr morgens in München ins Auto gestiegen und gemütlich mit Anhänger nach Niederbayern getuckert. Zudem schadet es nicht, wenn bisweilen der Humor nicht auf der Strecke bleibt. Als sich der Deutsch-, Geschichts- und Geographielehrer Andreas Königer, Sicherheitsbeauftragter für die achten bis zehnten Klassen am WDG, bemüßigt sieht, die 16- bis 17-Jährigen noch im Klassenzimmer darauf hinzuweisen, dass sie sich nach dem theoretischen Teil später unten im Pausenhof "bitte nicht vor und auch nicht hinter das Auto" stellen sollen, ist das quasi die Steilvorlage für Edgar Brückl, Mitarbeiter im Direktorat. Leise fügt dieser hinzu: "Und auch nicht unter das Auto."

Mit launigen Worten spart auch Arno Baller nicht, der ziemlich oft an Schulen unterwegs ist. Er weiß, wo er die Pointen setzen muss, damit die Kids ihm zuhören. "Achtung, hier spricht die Polizei!", ruft er gerne in sein Megafon, wenn er beim so genannten Disco-Versuch den Jugendlichen zeigen will: Wer im Auto sehr laut Musik hört, kriegt nicht mit, wenn draußen Martinshörner heulen. "Eine Lehrerin meinte mal zu mir, ich solle mir bitte einen anderen Text ausdenken. Ich hätte gerade ihre Fünftklässler zu Tode erschreckt. Sie dachten, Terroristen seien im Schulgebäude."

Dennoch, die Materie ist ernst. So ernst, dass neben TÜV auch das Bayerische Kultusministerium die ADAC-Aktion unterstützt. Die Jugendlichen sollen beherzigen, dass sie gleichmäßig und niedertourig fahren, unnötigen Ballast bei Reisen daheim lassen ("notfalls auch die Freundin", Arno Baller) sowie den Motor an der Ampel ausschalten sollen, etwas, was moderne Fahrzeuge mit Start-/Stopautomatik inzwischen von selbst erledigen – "gesetzt den Fall, man deaktiviert sie nicht". Ja – und auch dazu rät Deutschlands größter Automobilclub: "Kurzstrecken unter zwei Kilometer solltet Ihr lieber zu Fuß oder mit dem Rad machen."

Martin Mayerhofer (16) aus Hartkirchen hat den etwas anderen Unterricht gut gefunden. Er macht gerade den Führerschein und glaubt, dass ihm diese Infos nachhaltig beeinflussen werden. Das denkt auch Lena Goldbach. Die 16-Jährige hat der Versuch mit der lauten Musik im Auto am meisten beeindruckt. "Ich werde auf jeden Fall leiser Musik hören. Wenn man da nicht mal mehr einen Sanka hört, ist das schlimm." Edgar Brückl hat dieser Disco-Versuch ebenso ins Grübeln gebracht. Geknickt meint er: "Im Auto laut Musik hören, wo sonst geht das denn noch?" Scheint so, dass dieser Tag nicht nur Schülern Grenzen aufgezeigt hat.

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aktualisiert: 03.04.2019