Ein kracherter Abend am Gymnasium (PNP vom 05.05.2017) von Julia Berner

Oberstufenschüler des Pockinger WDGs organisieren Bayerischen Abend – Höhepunkt: Lehrer und Schüler präsentieren "Schuaplattler"
Nachdem die Mundart lange Zeit aus den Bayrischen Klassenzimmern verwiesen worden war, erlebt der Dialekt nun langsam aber sicher sein wohlverdientes Comeback. Die Befürchtung, die bayrischen Schüler seien der deutschen Hochsprache nicht mehr mächtig, wenn sie auch in der Schule mit Dialekt sprechen würden, hatte sich nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil: In den letzten Jahren stieg der Stellenwert der Mundart enorm und da er einen wesentlichen Teil der bayrischen Kultur ausmacht, darf er nun auch langsam den Weg in die Klassen zurückfinden.

Planung dauerte ein halbes Jahr

Diese Entwicklung begrüßt auch eine Deutschlehrerin am Wilhelm-Diess-Gymnasium: Maria Osterholzer. Um ihren Schülern die Alt-Bayrische Kultur näherzubringen, hat sie in diesem Schuljahr das Projekt-Seminar "Bayrischer Abend" ins Leben gerufen. Zusammen mit ihren sechs P-Seminaristen der Q11 hatte sie über ein halbes Jahr hinweg eine Abendveranstaltung geplant, bei der sich alles um die bayrische Kultur drehen sollte. Dabei hatte sich das Team um Maria Osterholzer Hilfe von einem wahren Experten und Liebhaber der bayrischen Kultur gesucht: Johann Lorenz. Johann spielt seit mehreren Jahren Akkordeon, beherrscht die Kunst des "Schuaplattlns" und ist auch sonst vertraut mit den bayrischen Sitten und Bräuchen. Nach unzähligen Treffen, Proben und Vorbereitungen fand nun am vergangen Dienstag dieser Abend der besonders bayrischen Art in der Aula des Wilhelm-Diess-Gymnasiums statt. Um die zahlreich erschienenen Gäste auf den bevorstehenden Abend gebührend einzustimmen, spielte Johann Lorenz zusammen mit Anna Burkert, die ebenfalls die 12. Klasse des Wilhelm-Diess-Gymnasiums besucht, ein typisch bayrisches Stück auf dem Akkordeon bzw. dem Tenorhorn. Bernadette Simmelbauer, Melanie Rauch, Patrick Schwarzmeier und Moritz Siebzehnrübel – Mitglieder des P-Seminars – kündigten ihre Kolleginnen Nova Sassin und Margareta Haslinger an, die ein selbstgedichtetes Gstanzl über das Schülerdasein präsentierten, bei dem sie Johann Lorenz auf seinem Akkordeon begleitete. Es folgte eine beeindruckende Tanzeinlage der 9. Klassen zu dem Lied "Rock mi" und ein Sketch der P-Seminaristen zum Thema "Fairness am Spielfeldrand", bei dem auf äußerst humorvolle Art und Weise bayrische Redewendungen analysiert wurden.

Nach einer Tanzvorstellung der 5. Klassen führten Nova, Margareta und Johann erneut ein Gstanzl auf, in dem der ein oder andere Lehrer liebe- und humorvoll auf den Arm genommen wurde. Genauso lustig ging es mit dem nächsten Programmpunkt weiter, für den sich die Organisatoren ein "Mundartquiz" überlegt hatten, bei dem Freiwillige aus dem Publikum Begriffe wie "Kree" (Meerrettich), "Hennasprenga" (Mofa) oder "Glubberl" (Wäscheklammer) ins Hochdeutsche übersetzen mussten. Im Anschluss präsentierte der Lehrerchor unter der Leitung von Georg Scholler dem Publikum zwei altbayrische Lieder und Dr. Götter trug mit beeindruckender Rhetorik Robert Erbertseders Gedicht "Die Rottaler Boggalbahn" vor. Auf eine weitere Gesangseinlage zweier Lehrkräfte folgte das nächste Spiel, bei dem die P-Seminaristen den Schulleiter Martin Thalhammer und seine Stellvertreterin Hedwig Maskos eine Plastik-Kuh melken ließen, um sie auf ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse zu prüfen.

Direktor gewinnt die "Saalwette"

Bei der Pause wurden die Gäste typisch bayrisch mit "Erdäpflkas- und Schmalzbrot" bewirtet. Nach der Pause folgten weitere Gstanzl über die Lehrerschaft des WDGs, Sketche zum Thema Mundart und Gesangseinlagen der 7. Klassen, mit denen alle Mitwirkenden das Publikum restlos begeisterten.
Das Highlight des Abends aber bildete ein gemeinsames Projekt zwischen Schülern und Lehrern, dass Johann Lorenz organisiert, einstudiert und durchgeführt hatte. Er hatte mit zehn Lehrer-Schüler-Pärchen den bayrischen "Schuaplattler" einstudiert, den sie paarweise tanzten. Dann gaben nur noch die Männer in kreisrunder Formation ihr beachtliches Können und die geforderte Zugabe zum Besten, wofür sie tosenden Applaus erhielten.

Für das Ende der Veranstaltung aber hatten sich die P-Seminaristen um Maria Osterholzer noch etwas ganz Besonderes überlegt: Im Vorfeld hatten sie mit Martin Thalhammer gewettet, dass es ihm nicht gelingen würde, 30 Lehrkräfte zu motivieren beim Bayrischen Abend in Tracht zu erscheinen. Zum Leidwesen der Schüler gewann der Direktor seine Wette sehr deutlich und so darf er sich nun mit seinem Kollegium auf eine bayrische Brotzeit freuen.

Nach diesem gelungenen Abend bedankten sich die P-Seminaristen bei ihrer Seminarleiterin Maria Osterholzer, die sie so großartig unterstützt hatte. Besonders aber dankten sie Johann Lorenz für sein beeindruckendes Engagement. Er hat die Umsetzung des Abends in dieser Art erst möglich gemacht.

Ganz zum Schluss zog die Seminarleiterin ihr Resümee: "Ich bin sehr stolz auf meine Schülerinnen und Schüler. Ich habe nichts zu kritisieren, dass haben sie wirklich sehr gut gemacht." Diesem Fazit kann sich das Publikum des bayrischen Abends ausnahmslos anschließen.

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aktualisiert: 27.05.2018