Handeln, damit nichts passiert (PNP vom 17.10.2020) von Karin Seidl


Bestes Wetter haben sich Barbara Weiss, Pockings zweite Bürgermeisterin, und ihr SPD-Stadtratskollege Alex Steinberger ausgesucht. Es ist kalt, es regnet, ein kalter Herbstwind zerzaust die Haare. "Ideal", meint Alex Steinberger. Ganz ironiefrei. Weil: Wenn das Wetter mies ist, könne man davon ausgehen, dass noch mehr Eltern als eh schon Taxi für ihre Kinder spielen. Und tatsächlich: Lange bevor die Glocken das Ende des Unterrichts am Wildhelm-Diess-Gymnasium und an der Grundschule Pocking einläuten, füllt sich die Leopold-Krönner-Straße zusehends. Und auf dem Lehrerparkplatz stehen die Autos bereits in zweiter Reihe.

"Also der graue Wagen da", sagt Alex Steinberger, Polizist von Beruf und gerade mit Dienstblick unterwegs, "dem Fahrer dieses grauen Wagens da müsste man 15 Euro abknöpfen, weil er da gar nicht stehen darf". Er parkt auf dem Kreisel, auf dem die Busse herumfahren. Den Fahrer des schwarzen Audis in der Königsberger Straße, der frech mitten auf dem Fußweg parkt, möchte er am liebsten auch zurechtweisen. "Das geht gar nicht", sagt er, "da möchte man, dass die Kinder zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, und dann stehen die Autos auf Fuß- und Radwegen".

Fuß- und Radweg ist komplett zugeparkt
An diesem Mittwochmittag ist er ehrenamtlich da mit seiner Stadtratskollegin Barbara Weiss. Weil es ihn gelinde gesagt nervt, was sich auf dem Schulgelände täglich abspielt – morgens ab 7 Uhr, mittags ab 12.30 Uhr. "Das geht seit Jahren so", springt ihm die zweite Bürgermeisterin bei, "und ich finde, es wird immer schlimmer." Weil die Schülerzahlen steigen, am Gymnasium und an der Grundschule, die seit Jahren immer wieder erweitert werde. "Mit dem G9 können wir davon ausgehen, dass sich die Parkplatzsituation noch einmal verschärfen wird, weil dann noch mehr Schüler mit dem Auto zur Schule kommen", glaubt sie.

Aber die Auto fahrenden Schüler seien wohl nicht so sehr das Problem, das Problem seien die Elterntaxis. "Es ist echt ein Wunder, dass da noch nichts passiert ist", sagt der Polizeibeamte Alex Steinberger. Seit vorigem Jahr habe sich da nicht viel geändert. Da hatte die Polizei sogar angekündigt, vermehrt Geldbußen zu verhängen, um das Chaos vor dem Wilhelm-Diess-Gymnasium in den Griff zu bekommen. Die Beamten hatten zurecht beobachtet, dass die Blechlawinen vor allem dadurch entstünden, weil so manche Eltern meinten, ihre Kinder direkt vor die Tür der Schule fahren oder von dort abholen zu müssen. Das sei jedoch verboten. Denn der Lehrerparkplatz steht ausschließlich dem Lehrpersonal zu Verfügung, das Befahren ist anderen Verkehrsteilnehmern verboten. Weil in dem Bereich viele Schüler zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind, kommt es laut Polizei immer wieder zu brenzligen Situationen.

Nicht nur dort, betonen Barbara Weiss und Alex Steinberger. Auch in der Leopold-Krönner-Straße sei es nicht besser. Diese Einbahnstraße werde auf der gesamten Länge, beginnend von der Abzweigung Südallee bis zum Beginn der Jahnstraße, zugeparkt. Die Autos stehen auf dem roten Pflaster, der eigentlich der Radweg sei, sagt Alex Steinberger.

Gerade dort sehe der SPD-Stadtrat dringenden Handlungsbedarf. "Was hier stattfindet, darf eigentlich zum Wohle unserer Kinder nicht sein. Die letzten 200 Meter zur Schule aus Richtung Jahnstraße ist eine vielbefahrene Einbahnstraße. Hier parken morgens und mittags Eltern und Lehrer den Fuß- und Radweg komplett zu", kritisiert er. Kinder, die aus Pocking-Süd mit dem Rad zur Schule fahren, was sehr viele seien, müssten teils gegen die Einbahnstraße fahren, da auf dem Gehweg kaum noch Platz zum Durchfahren sei. "Die Beschilderung ist mit Ästen verdeckt. Und sie hat auch keinen Sinn, weil aus Richtung Jahnstraße keine Autos kommen", bemängelt er.

Irrsinn sei das: einen Radweg mit Autos zuzuparken. Da wolle man, dass sich die Kinder mehr bewegen und dann nehme man ihnen die Möglichkeit, mit dem Rad sicher zur Schule zu kommen. "Mit einem einfachen Mittel könnten wir diese Gefahrenzonen rasch entschärfen", meint er. Er schlägt vor: Das Schild, das diesen Fuß- und Radweg markiert, sollte direkt auf die Mitte des Fuß- und Radwegs gestellt werden. Dazu sollte man sich überlegen, inwieweit man den Fuß- und Radweg mit Hilfe baulicher Maßnahmen in eine autofreie Zone verwandeln könnte.

Stadt ist dran, das Arealneu zu überplanen
"Dieses Problem gibt es schon so lange", pflichtet ihm Barbara Weiss bei. "Wenn wir das hier lösen könnten – mit relativ geringem Aufwand – könnte die Stadt zackig reagieren und die Bürger sehen, dass endlich was getan wird, um den Kindern einen sicheren Schulweg zu ermöglichen."

Die stellvertretende Bürgermeisterin weiß sehr wohl, dass die Stadt ohnehin dran ist, das Areal neu zu überplanen, um dem Verkehrschaos Herr zu werden. "Dabei sollte man mit überlegen, ob man den Bussen nicht eine extra Spur gibt, wenn sie das Schulgelände wieder verlassen", sagt Barbara Weiss. Bislang haben sie nur eine eigene Zufahrt. Wenn sie weg wollen, stehen sie schon auf dem Lehrerparkplatz "im Stau", morgens und mittags. "Die Südallee ist zu den Stoßzeiten an der Schule, zu Unterrichtsbeginn und zu Unterrichtsende, dicht", weiß sie. Wer Pech hat, stehe da schon mal 15 Minuten – und nichts geht mehr. Beide fordern daher: eine sinnvolle Beschilderung und Fahrbahnmarkierung. Den Antrag dafür haben sie schon gestellt. Nun hoffen sie, dass er auch im Ausschuss behandelt wird.


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aktualisiert: 03.04.2019