Die geräuschlose Rückkehr zum G9 (PNP vom 31.07.2019) von Sandra Niedermaier


Als das neunjährige Gymnasium abgeschafft und stattdessen das Abitur nach acht Jahren eingeführt wurde, gab es viele Diskussionen. Trotz mehrerer Reformen blieb seit seiner Einführung im Schuljahr 2004/05 die Kritik am G8 mit seinem ausgeweiteten Nachmittagsunterricht groß. Seit einem Schuljahr gibt es nun offiziell das G9 wieder an bayerischen Gymnasien, mit weniger Nachmittagsunterricht. Es ist zeitgleich für die fünften und sechsten Klassen wiedereingeführt worden. Seither ist es still geworden um das Thema.

„Es läuft relativ geräuschlos, man merkt es gar nicht so“, bestätigt Stefan Winter, Schulleiter des Gymnasiums Vilshofen. Der größte Unterschied für die Unterstufe sei, dass es keinen verpflichtenden Nachmittagsunterricht mehr gibt. „Für Landgymnasien ist es vernünftig, dass es weniger Nachmittagsunterricht gibt“, findet er. [….] Erfreut und erleichtert ist er in erster Linie darüber, dass Ruhe eingekehrt ist und es keine großen öffentlichen Diskussionen mehr gibt. „Ich bin pragmatisch, wir hatten uns auch mit dem G8 arrangiert“, erklärt er. Spannend wird es laut Winter ohnehin erst, wenn der erste neue G9-Jahrgang in die Oberstufe kommt. „Derzeit wird ja noch diskutiert, ob es wieder Leistungskurse geben wird oder ein Mischsystem mit einem Vertiefungsfach. Aber das ist noch weit weg.“ Der erste neue reguläre G9-Jahrgang wird übrigens 2026 Abitur machen.

Dass wieder Ruhe eingekehrt ist im Schulalltag, sieht auch Dr. Roland Feucht vom Maristengymnasium Fürstenzell als großen Vorteil der Rückkehr zum G9. „Von den Eltern wurde das G9 sehr begrüßt, weil es weniger Nachmittagsunterricht gibt“, sagt er. […..]

Schulleiter Martin Thalhammer vom Wilhelm-Diess-Gymnasium Pocking stimmt mit ihm überein. „Ich sehe es positiv im Hinblick auf die Reife der Schüler, wenn sie mit dem Abitur bereits 18 Jahre alt sind“, erklärt auch er. „Das G9 läuft gut, es wurde von den Schülern recht gut aufgenommen“, bestätigt er weiter. Von den Eltern habe er bisher nur Positives gehört. Und auch für die Lehrer sei die Umstellung nicht tragisch: „Im Lehrplan kommt es ja öfter mal zu Änderungen. Jetzt war es eben in allen Fächern gleichzeitig. Dafür haben die Lehrer Fortbildungen erhalten.“

Die 5. und 6. Klassen am Pockinger Gymnasium hatten bisher noch keinen Nachmittagsunterricht, erklärt er. Für die siebten Klassen gibt es im kommenden Schuljahr das erste Mal Nachmittagsunterricht: den „Sport nach Neigung“. Zu den zwei Stunden Schulsport am Vormittag gibt es zwei Zusatzstunden am Nachmittag im Jahrgangsstufenverband. Welchen Sport sie machen wollen, suchen sich die Schüler dabei selbst aus: Golf, Klettern, Tennis, Tanz, Selbstverteidigung etc. „Die Schüler können machen, was ihnen Spaß macht“, so Thalhammer.

Auch sind die Intensivierungsstunden aus dem G8-Modell am Pockinger Gymnasium erhalten geblieben: In der Mittelstufe wird es Stunden für individuelle Förderung in bestimmten Fächern geben. „Die guten Schüler hingegen können in der Zeit an Projekten für Wettbewerbe arbeiten“, sagt Thalhammer.

Und wenn ein Schüler besonders schnell lernt, wird es auch in Zukunft für ihn die Möglichkeit geben, das Abitur in acht Jahren zu machen: Er kann dann die elfte Klasse überspringen bzw. in der Zeit ins Ausland gehen. „Für die guten Schüler soll es eine zusätzliche, freiwillige Förderung geben“, freut sich Thalhammer. „Was da entwickelt wurde, sehe ich positiv“, schließt er. Die Schüler, die diese „Überholspur“ wählen, werden übrigens auch die einzigen sein, die 2025 Abitur schreiben: Die letzten Absolventen des achtjährigen Gymnasiums machen 2024 Abitur. [….]


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aktualisiert: 03.04.2019