„In Pocking sind wir zu weit weg von Streiks“ (PNP vom 10.04.2019) von Reinhard Wilhelm


Die meisten der Pockinger Gymnasiasten sind, das sagt der 19-jährige angehende Abiturient Benedikt Weber, „absolut für ,Fridays for Future‘, doch nur sehr wenige beteiligen sich regelmäßig aktiv an Streiks“. Letzten Freitag war Weber als bekennender Aktivist bei der Jugendklimakonferenz mit dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber in München.

Wie war es beim Minister?
Weber: „Oh, ganz okay. Er hat einen überraschend guten Eindruck gemacht. Er hat zugehört und schien sehr interessiert daran, was die Schüler so denken.“

Wie lange nahm sich Herr Glauber denn Zeit für euch?
Weber: „Wir waren dort von 14 Uhr bis 18.30 Uhr. Etliche Schüler hielten Reden. Ganz schön lange also.“

Wie kam es eigentlich zum Ministerbesuch?
Weber: „Das ging nicht von Fridays for Future aus, sondern wohl vom Kultusministerium. Die Schulen waren angehalten worden, Schüler nach München zu schicken. Ich bin gefahren – mit dem Zug. Ich hoffe, die Fahrkarte wird erstattet.“

Wieso ist es in Pocking so ruhig, sprecht ihr nicht an der Schule über das Thema?
Weber: „Doch, und ob wir darüber sprechen. Wir reden laufend darüber. Aber ich bin halt einer der wenigen Aktiven. Es ist schwierig. Wir in Pocking sind so weit weg von den Streiks. Das beginnt schon bei der Frage, wie kommen wir nach Passau. Gemeinsam mit einem Bus? Für die Volljährigen ist das nicht das Problem, aber für die anderen. Die meisten Eltern sind doch auch dagegen, dass ihre Kinder streiken. Es ist schwer, hier etwas auf die Beine zu stellen.“

Dann seit ihr eher Sympathisanten?
Weber. „Ja, so kann man das sagen. Es ist halt auch für viele dann wirklich hart, den Schulstoff nachzuholen. Nicht jeder kann und will sich das leisten. Und das Abi steht auch an.“

Wie geht die Schulleitung mit euch Fridays-for-Future-Aktivisten um?
Weber: „Bis jetzt gab es keine Verweise oder andere Sanktionen. Ich finde gut, wie sich die Schulleitung verhält und dass auch jeder einmal frei bekommt, wenn er streiken will. Auch wenn ich persönlich das noch für viel zu wenig halte.“

Würdest Du auch außerhalb der Schulzeit fürs Klima streiken?
Weber: „Ja, schon und darüber wird unter uns auch heftig diskutiert. Aber es herrscht halt nach wie vor die Meinung vor, dass dann viel von dem Druck verloren ginge. Es ist schon daran gedacht, so lange zu streiken, bis der Staat konkrete Klimaschutz-Maßnahmen ergreift.“

Das Gespräch führte Redakteur Reinhard Wilhelm.


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aktualisiert: 03.04.2019